Der gläserne Bahnkunde

2. Mai 2016

Am 28. April 2016 fand im Rahmen der Mitgliederversammlung von grundrechte,ch eine öffentliche Veranstaltung zum Thema «Gläserner Bahnkunde» statt.

Zuerst erklärte Peter Güdel das System «SwissPass», welches nicht nur aus einem roten Kärtchen, sondern aus einem Verbund von vielen Lesegeräten und zwei Datenbanken besteht, in welchen alle Kontrollen von Fahrausweisen gespeichert werden.

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System «SwissPass», Grafik Peter Güdel

Die Kontrolldatenbank, in welcher bei jeder Kontrolle die ID des «SwissPass», die Zugnummer, das Datum mit Zeit sowie die Klasse gespeichert werden, wurde auf Verlangen des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) zwar deaktiviert, aber die SBB wollen mit einer Gesetzesänderung erzwingen, dass sie wieder hochgefahren werden kann. Auch die Strafverfolgungsbehörden haben Zugriff auf die Kunden- und Kontrolldatenbank der SBB. Ohne gesetzliche Grundlage kommen so die Strafverfolger zu ähnlichen Bewegungsprofilen, wie sie auch bei der rückwirkenden Überwachung von Mobiltelefonen anfallen können.

Anschliessend erläuterte Andreas Theiler von «Pro Bahn» diverse Versuche, welche bei regionalen Verkehrsverbunden laufen. Diese Modelle basieren alle auf einer App und setzen somit ein Smartphone des Benutzers voraus. Die Dichte der gespeicherten Daten ist jeweils noch grösser als beim «SwissPass». Die BLS startet nach ersten Versuchen einen Probebetrieb mit 2,000 Kunden. Der Kunde logt sich beim Besteigen des Zuges ein und loggt sich beim Verlassen wieder aus, der Fahrpreis wird direkt der Kreditkarte belastet, wobei «Best Price» garantiert wird. Somit wird «Mobilitypricing» eingeführt, bevor es vom Parlament beschlossen wurde. Andere Privatbahnen und auch die Postauto Schweiz AG testen ähnliche Systeme wie die BLS.

Zum Schluss analysierte Patrick Hischier vom Konsumentenforum kf den «SwissPass» aus der Sicht des Benutzers und resümierte, dass der «SwissPass» für Transportunternehmungen viele Vorteile, aber für Kunden nur Nachteile habe.

Es wurde vereinbart, dass interessierte Kreise wie «Pro Bahn», das Konsumentenforum oder grundrechte.ch bei den Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen KVF vorstellig werden und ihre Sicht zur geplanten gesetzlichen Regelung des «SwissPass» einbringen wollen. Dieses Vorhaben muss nun konkretisiert werden.

Aus der Sicht von grundrechte.ch müssen neben einer äussersten Sparsamkeit beim Speichern von Daten auch in Zukunft herkömmliche Papierbillette diskriminierungsfrei erhältlich sein, was aber schon heute nicht gewährleistet ist. «Best Price»-Tickets der SBB mit bis zu 50 % Rabatt gibt es nur im Internet online zum selbst Ausdrucken oder zum auf dem Smartphone speichern, nicht aber am Schalter oder Automaten zu kaufen.

grundrechte.ch hat den Verantwortlichen bei den Transportunternehmen im Herbst 2017 einen Brief mit Fragen und Forderungen zum Ticketing unterbreitet, die Antworten stehen noch aus.

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