Die Deportation von Fussballfans

15. März 2013

von Re­mo Co­no­ci

Am kom­men­den Sonn­tag sol­len rund 200 Men­schen ge­zwun­gen wer­den, sich mit Iden­ti­täts­kar­te aus­zu­wei­sen, ehe sie ei­nen Rei­se­bus be­tre­ten dür­fen. Die­ses Fahr­zeug darf nir­gend­wo ei­nen Zwi­schen­halt ma­chen, die Gäs­te dür­fen das Fahr­zeug auf der rund 100 Ki­lo­me­ter lan­gen Stre­cke zu kei­nem Zeit­punkt ver­las­sen. Auf be­stimm­ten Ab­schnit­ten wird das Fahr­zeug von be­waff­ne­ter Po­li­zei be­glei­tet und be­wacht. Wäh­rend der gan­zen Fahrt be­fin­det sich Si­cher­heits­per­so­nal an Bord. Am Ziel an­ge­kom­men, wer­den die Rei­sen­den vor ei­ne Tür ge­bracht, durch die sie oh­ne Um­we­ge ge­hen müs­sen. Ih­re Kör­per wer­den durch­sucht, nach Ge­gen­stän­den die ge­fähr­lich sein könn­ten. Der zu­ge­wie­se­ne Sek­tor darf nicht ver­las­sen wer­den. Nach zwei Stun­den Auf­ent­halt, wäh­rend de­nen die Men­schen von meh­re­ren Ka­me­ras ge­filmt und von Dut­zen­den, zum Teil ver­deckt ar­bei­ten­den Po­li­zei­kräf­ten stän­dig kon­trol­liert wer­den, muss die Grup­pe die Stadt auf dem schnells­ten Weg wie­der ver­las­sen und darf wie­der­um kei­ne Ab­ste­cher, Zwi­schen­hal­te oder an­der­wei­tig auf­fäl­li­ge Ak­ti­vi­tä­ten vor­neh­men.

Was sich an­hört wie ei­ne De­por­ta­ti­on von Ge­fan­ge­nen aus dem zwei­ten Welt­krieg, ist die Be­schrei­bung des Rei­se­ver­hal­tens, wie es die Kan­tons­po­li­zei Neu­en­burg von Fuss­ball­fans aus dem Aar­gau am kom­men­den Sonn­tag er­war­tet. Wür­de es sich an Stel­le der Fuss­ball­fans um Asyl­be­wer­ber han­deln, wä­re der Auf­schrei rie­sen­gross. Von Vor­ver­ur­tei­lung und pau­scha­ler Kri­mi­na­li­sie­rung wä­re die Re­de, von ras­sis­ti­schem Um­gang mit Min­der­hei­ten und von Ent­zug der Men­schen­rech­te. Und wä­re das Fuss­ball­sta­di­on ein Schwimm­bad, wür­de sich so­gar die Bun­des­rä­tin ein­schal­ten, denn Her­kunft und Haut­far­be dür­fen nicht Grund sein für ei­ne Aus­gren­zung.

Fans oh­ne Lob­by

Of­fen­bar ha­ben Asyl­be­wer­ber die grös­se­re Lob­by und auch den bes­se­ren Ruf als Fuss­ball­fans. An­ders lässt sich nicht er­klä­ren, war­um die Neu­en­bur­ger Kan­tons­po­li­zei als ei­ne der ers­ten In­stan­zen über­haupt das Po­li­zei­kon­kor­dat an­wen­det, mit dem sie für hoch­ris­kan­te Fuss­ball­spie­le prak­tisch un­be­grenz­te Mass­nah­men er­grei­fen kann. Selbst das Durch­su­chen al­ler Kör­per­öff­nun­gen und die vor­sorg­li­che In­haf­tie­rung sind er­laub­te In­stru­men­te. Und das nur Auf­grund der Club­far­ben und der pau­scha­len An­nah­me, dass Fuss­ball­fans ge­walt­tä­tig sein könn­ten – Was sie aber de­fi­ni­tiv nicht sind. Zu­min­dest nicht mehr, als Au­to­fah­rer Ra­ser sind, oder Mi­gros-Kun­den Die­be. Doch für Fuss­ball­fans gibt es ein Ge­setz. Und ei­ne un­an­fecht­ba­re Mei­nung. Ge­för­dert von sen­sa­ti­ons­gei­len Me­di­en die von ei­ner zu 99,9% fried­li­chen Ver­an­stal­tung, den ei­nen Idio­ten mit der Fa­ckel in der Dis­co zum Ab­bild ei­ner gan­zen Men­schen­grup­pe macht.

Rei­se ab­ge­sagt

Wich­tig zu wis­sen ist, dass die Mass­nah­men al­lei­ne von der Po­li­zei er­gif­fen wer­den und mit dem Heim­club nichts zu tun ha­ben. Die Vor­ga­ben sind so irr­sin­nig, dass die Rei­se mit den 200 Fans ab­ge­bla­sen wur­de. Scha­de. Denn zwi­schen dem Fuss­ball­städ­ten Neu­en­burg und Aarau herrsch­te im­mer ein gu­tes Ver­hält­nis. Frü­her tausch­te man in den je­wei­li­gen Fuss­ball-Fo­ren lus­ti­ge Gif-Ani­ma­tio­nen aus, es hat so­gar Aarau­er ge­ge­ben, die bei der Ret­tungs­ak­ti­on des wel­schen Clubs “Bau­stei­ne” ge­stif­tet ha­ben. Vor zwei Ta­gen te­le­fo­nier­te ich mit der Gäs­te­be­treue­rin von Neuchâtel Xamax FCS und wir freu­ten uns bei­de auf das Wie­der­se­hen der tra­di­ti­ons­rei­chen Clubs. Manch­mal fällt es mir wirk­lich schwer, dass die Denk­wei­se de­rer mehr ge­wich­tet wird, die von der Sa­che schlicht kei­ne Ah­nung ha­ben. Auf ein fried­li­ches Spiel: Al­lez Xamax, Hopp Aarau!

 

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