«App-Nutzer müssen Geld für ihre Daten bekommen»

14. Apeil 2015

J. Bü­chi, 20 Mi­nu­ten

Po­li­ti­ker kri­ti­sie­ren den ge­plan­ten Da­ten­deal von IBM und App­le. Die Smart­pho­ne-Nut­zer müss­ten bes­ser ge­schützt und für ih­re Da­ten ent­schä­digt wer­den.

Jean Chris­to­phe Schwa­ab ist ent­setzt: «Die Da­ten­schutz-Pro­ble­ma­tik hat ei­ne neue, er­schre­cken­de Di­men­si­on er­reicht.» Der SP-Na­tio­nal­rat spricht von den Plä­nen des IT-Dienst­leis­ters IBM, die Ge­sund­heits­da­ten von App­le-Nut­zern zu ver­kau­fen. IBM hat an­ge­kün­digt, zu die­sem Zweck ei­ne Fir­ma mit 2000 Mit­ar­bei­tern zu grün­den. Die Da­ten von Mil­lio­nen App­le-Ge­rä­ten sol­len ge­sam­melt, ver­knüpft und Ge­sund­heits­kon­zer­nen wie bei­spiels­wei­se John­son & John­son oder Med­t­ro­nic an­ge­bo­ten wer­den.

Schwa­ab, der sich im Par­la­ment für ei­ne Ver­schär­fung des Schwei­zer Da­ten­schutz­ge­set­zes ein­setzt, kri­ti­siert: «Es geht hier um hoch­sen­si­ble Da­ten, die leicht miss­braucht wer­den kön­nen.» Dies be­fürch­tet auch Rechts­an­walt Vik­tor Györf­fy, Prä­si­dent der Or­ga­ni­sa­ti­on grund­rech­te.ch. «Die Da­ten, die ein Nut­zer ge­ne­riert, könn­ten am Schluss ge­gen ihn ver­wen­det wer­den.»

«Kran­ke Ver­si­cher­te wer­den aus­ge­schlos­sen»

Se­he ei­ne Kran­ken­kas­se bei­spiels­wei­se, dass sich ein Ver­si­cher­ter zu we­nig be­wegt oder ein be­stimm­tes Ge­sund­heits­pro­blem hat, könn­te sie ihn von be­stimm­ten Zu­satz­ver­si­che­run­gen aus­schlies­sen oder die Po­li­ce mas­siv ver­teu­ern. «Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist es, wenn die­se Da­ten dann auch noch mit an­de­ren In­for­ma­tio­nen über die Per­son ver­knüpft wer­den – wie zum Bei­spiel mit dem elek­tro­ni­schen Pa­ti­en­ten­dos­sier.»

Dass die App­le-Da­ten von IBM an­ony­mi­siert wei­ter­ge­ge­ben wer­den sol­len, be­ru­higt Györf­fy nicht. Die Da­ten wür­den auch nach der an­geb­li­chen An­ony­mi­sie­rung noch in ei­ner Form vor­lie­gen, in der Rück­schlüs­se auf die ei­ge­ne Per­son mög­lich sei­en. «Wenn man die Da­ten so stark an­ony­mi­siert, dass sol­che Rück­schlüs­se nicht mög­lich sind, sind sie für die Ge­sund­heits­kon­zer­ne gar nicht mehr brauch­bar.»

Nut­zer sol­len Geld be­kom­men

Beim Ge­schäft mit den Da­ten geht es um Hun­der­te Mil­lio­nen. Nicht um­sonst wer­den sie auch als das «neue Erd­öl» be­zeich­net. «Wenn sich App­le und IBM schon ei­ne gol­de­ne Na­se ver­die­nen, müss­ten die Nut­zer we­nigs­tens et­was von dem Geld er­hal­ten», for­dert SP-Na­tio­nal­rat Schwa­ab des­halb. Auf je­den Fall müs­se der Ei­gen­tü­mer ei­nes Ge­räts auch das Recht ha­ben, ei­ne Da­ten­wei­ter­ga­be zu ver­wei­gern.

Im De­zem­ber hat der Na­tio­nal­rat ein Pos­tu­lat des SP-Po­li­ti­kers mit ge­nau die­ser For­de­rung an­ge­nom­men. Schwa­ab sagt, es sei wich­tig, dass der Bun­des­rat in die­sem Punkt nun vor­wärts­ma­che. «In ei­ner Zeit, in der selbst All­tags­ge­rä­te wie Haus­halts­ge­rä­te und Fahr­zeu­ge Da­ten sam­meln, ist ei­ne sol­che Re­ge­lung zwin­gend nö­tig.» Wei­ter for­dert der SP-Mann har­te Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten, wenn ei­ne Fir­ma das Da­ten­schutz­ge­setz ver­letzt.

«Kein Hand­lungs­be­darf»

Auch SVP-Na­tio­nal­rat Lu­kas Rei­mann fin­det es «be­un­ru­hi­gend», wel­ches Aus­mass der Da­ten­han­del er­reicht hat. Er sagt je­doch: «Die Leu­te müs­sen sel­ber wis­sen, wel­che Apps sie in­stal­lie­ren und wel­cher Da­ten­nut­zung sie zu­stim­men.» Er wür­de die Un­ter­neh­men nicht zwin­gen, die mit den Da­ten er­wirt­schaf­te­ten Ge­win­ne wei­ter­zu­ge­ben. «Das wä­re ein zu gros­ser Ein­griff in die Wirt­schafts­frei­heit.» So­lan­ge die Nut­zer die Mög­lich­keit hät­ten, ei­ne Wei­ter­ga­be der Da­ten ab­zu­leh­nen, se­he er auch sonst kei­nen po­li­ti­schen Hand­lungs­be­darf.

Rechts­an­walt Györf­fy hält da­ge­gen, ei­ne Ver­schär­fung des Da­ten­schutz­ge­set­zes sei zwin­gend nö­tig. Schon heu­te sei der Druck gross, sei­ne Pri­vat­sphä­re preis­zu­ge­ben, da­mit man ei­ne be­stimm­te App oder ein Ge­rät nut­zen kann. «Wenn wir die­ser Ent­wick­lung kei­nen Rie­gel schie­ben, ver­langt bald je­der Ver­si­che­rer und je­der Ar­beit­ge­ber Ein­sicht in die per­sön­li­chen Da­ten.»

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