Basel sammelt Patienten-Daten online

14. Januar 2014

von Lukas Hausendorf, 20 Minuten

In Basel startet der schweizweit erste Modellversuch mit elektronischen Patientendaten. Der Datenschutz sei gewährleistet, heisst es.

Die medizinische Vorgeschichte eines Patienten soll in Basel schon bald elektronisch und für behandelnde Ärzte auf Servern verfügbar sein. Es ist der erste Kanton in der Schweiz, der einen breit angelegten E-Health Modellversuch startet. Das langwierige Suchen nach Patientendaten in Aktenschränken wird damit Vergangenheit. Bei der Behandlung erhofft man sich von E-Health Zeit- und Kostenersparnis. Auch handgeschriebene Rezepte, die oft nur schwer dechiffrierbar sind, sollen der Vergangenheit angehören. Sie sollen fortan elektronisch und automatisch auf bekannte Unverträglichkeiten abgeglichen der Apotheke übermittelt werden.

Ein Notfallpatient wird ins Spital eingeliefert, muss operiert und mit Medikamenten versorgt werden. Die behandelnden Ärzte müssen möglichst rasch die medizinische Vorgeschichte des Patienten kennen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Das elektronische Patientendossier ermöglicht ihnen einen unmittelbaren Zugang zu allen relevanten medizinischen Informationen mit wenigen Mausklicks. In der Schweiz ist das noch Zukunftsmusik. In Basel schon bald Realität.

Der Grosse Rat hat vergangene Woche die Finanzierung des ersten E-Health-Modellversuchs in der Schweiz gutgeheissen. Die Vorreiterrolle der Stadt sei nicht zuletzt den Bemühungen von Gesundheitsdirektor Carlo Conti zu verdanken, sagt Peter Indra, Leiter der kantonalen Gesundheitsversorgung.

Daten auf die Cloud

Patientendaten sollen im Rahmen dieses Projekts von behandelnden Ärzten in sogenannten Clouds im Netz abgelegt werden, auf die ärztliches Personal im Bedarfsfall zugreifen kann. «Das ist die Zukunft», sagt Felix Eymann, Präsident der Medizinischen Gesellschaft Basel. Ärzte, Spitaler wie auch Patientenschutzorganisationen begrüssen den Modellversuch. «Auch der Datenschützer steht dahinter und hat uns bei der Konzeption unterstützt», sagt Peter Indra. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Systeme sicher sind.»

Die Schaltzentrale des E-Health-Versuchs ist im Universitätsspital untergebracht, das über eine grosse IT-Abteilung verfügt. Die Software und die Infrastruktur für den Modellversuch existieren bereits. Jetzt müssen nur noch die Ärzte und Patienten mitmachen. Diese versucht man nun mit einer Informations- und Werbekampagne ins Boot holen.

Fehler passieren immer

Eine hundertprozentige Gewährleistung des Datenschutzes wird in Zeiten der totalen Überwachung der Internetkommunikation aber kaum zu garantieren sein. Das zumindest glaubt Ursula Uttinger, Präsidentin des Schweizer Datenschutz-Forums. Das Hauptproblem sei aber am Ende der Mensch, sagt die Juristin.

«Mitarbeiter machen Fehler, das zeigte jüngst das Beispiel Coop Bank.» Die Gefahr von Hackerangriffen oder gravierender Sicherheitslücken erachtet sie allerdings als klein. Zum einen, weil die Patientendaten dezentral auf vielen Clouds abgelegt werden und zum anderen, weil sie schlicht nicht sehr spannend sind. «Eine Grossbank ist ein viel interessanteres Ziel», sagt sie.

Bedenken zerstreuen

Damit der Modellversuch zum Erfolg wird, müssen aber letztlich genügend Patienten mitmachen. Sie müssen aber vorgängig ihr Einverständnis abgeben, dass ihr Patientendossier auf der Cloud landet. «Wir müssen die Beteiligten nun von den Vorteilen überzeugen», sagt Indra.

Schliesslich funktioniere das System nur, wenn eine kritische Masse erreicht werde. Sonst generiert es auch keine Vorteile. Es liessen sich damit viele Doppelspurigkeiten vermeiden, sagt Arzt Felix Eymann. Das spart letztlich auch Kosten. «Man gewinnt dadurch Zeit, die letztlich wiederum dem Patienten zugute kommt», so Indra.

Andere Kantone folgen

Während Basel bereits mit der Umsetzung beginnt, haben andere Kantone bereits ähnliche Projekte in der Pipeline. Allerdings kommt nicht überall das gleiche System zur Anwendung. Der Bund gibt allerdings vor, dass die verschiedenen Lösungen miteinander kompatibel sein müssen.

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