BGE 5A_257/2012 Fürsorgerische Freiheitsentziehung

4. Juni 2012

Bun­des­ge­richt

Tri­bu­nal fédéral

Tri­bu­na­le fe­dera­le

Tri­bu­nal fe­deral

{T 0/2}

5A_257/2012

Ur­teil vom 4. Ju­ni 2012

II. zi­vil­recht­li­che Ab­tei­lung

Be­set­zung

Bun­des­rich­te­rin Hohl, Prä­si­den­tin,

Bun­des­rich­ter von Werdt, Herr­mann,

Ge­richts­schrei­ber Zbin­den.

Ver­fah­rens­be­tei­lig­te

X.________,

ver­tre­ten durch Ad­vo­kat Gui­do Ehr­ler,

Be­schwer­de­füh­re­rin,

ge­gen

Für­sor­ge­rat des Kan­tons Ba­sel-Stadt, Rhein­sprung 16/18, Post­fach 1532, 4001 Ba­sel.

Ge­gen­stand

Für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung,

Be­schwer­de ge­gen das Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts des Kan­tons Ba­sel-Stadt als Ver­wal­tungs­ge­richt vom 19. März 2012.

Sach­ver­halt:

A.

A.a X.________ (geb. 1964) be­gann ab 2008 im Zu­sam­men­hang mit Ehe­pro­ble­men mit re­gel­mäs­si­gem Kon­sum von Al­ko­hol in ho­hen Do­sen. Die im Ja­nu­ar 2010, Mai und Au­gust 2011 an­läss­lich von Po­li­zei­kon­trol­len durch­ge­führ­ten Atem­pro­ben er­ga­ben Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­ons­wer­te von 1.83 bis 2.8 Pro­mil­len. Nach ei­nem epi­lep­ti­schen An­fall am Ar­beits­platz im Mai 2009 wur­de X.________ das ers­te Mal in die Uni­ver­si­tä­ren Psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken (UPK) Ba­sel hos­pi­ta­li­siert. Bis heu­te sind ins­ge­samt neun Hos­pi­ta­li­sa­tio­nen zu ver­zeich­nen, wo­bei den An­ga­ben von X.________ zu­fol­ge le­dig­lich in zwei Fäl­len ei­ne Ein­wei­sung im Rah­men für­sor­ge­ri­scher Frei­heits­ent­zie­hung er­folgt sein soll.

A.b Den Ak­ten ist im Wei­te­ren zu ent­neh­men, dass X.________ nach wie­der­hol­ten Al­ko­hol­ent­zugs­be­hand­lun­gen im Fe­bru­ar 2011 frei­wil­lig zur Lang­zeit­the­ra­pie in die "A.________-Kli­nik" ein­trat, die Be­hand­lung aber nach nur zwei Wo­chen ab­brach. Nach ei­nem wei­te­ren Ein­tritt in die UPK im Rah­men für­sor­ge­ri­scher Frei­heits­ent­zie­hung am 22. März 2011 plan­te die Be­trof­fe­ne er­neut ei­ne Lang­zeit­be­hand­lung in be­sag­ter Kli­nik, nahm aber den Ein­tritts­ter­min vom 20. April 2011 nicht wahr. Schliess­lich trat sie am 9. Ju­ni 2011 in die­se Pfle­geinsti­tu­ti­on ein, brach aber die Be­hand­lung am 21. Ju­li 2011 er­neut ab.

A.c Mit Ent­scheid vom 21. Sep­tem­ber 2011 wies der Für­sor­ge­rat des Kan­tons Ba­sel-Stadt X.________ ge­stützt auf Art. 397a Abs. 1 ZGB in ei­ne the­ra­peu­ti­sche In­sti­tu­ti­on "vom Typ B.________" ein. Als Grund­la­ge für die­sen Ent­scheid dien­te na­ment­lich das psych­ia­tri­sche Gut­ach­ten der UPK Ba­sel vom 23. Au­gust 2011, das im Rah­men ei­ner Ein­wei­sung zwecks Be­gut­ach­tung er­stellt wor­den war.

A.d Mit Ur­teil vom 8. De­zem­ber 2011 wies das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt des Kan­tons Ba­sel-Stadt als Ver­wal­tungs­ge­richt den ge­gen die Ein­wei­sung er­ho­be­nen Re­kurs von X.________ ab.

A.e Am 27. Fe­bru­ar 2012 hiess das Bun­des­ge­richt die von X.________ ge­gen das Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts er­ho­be­ne Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen teil­wei­se gut, so­weit dar­auf ein­zu­tre­ten war; es hob das Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts des Kan­tons Ba­sel-Stadt vom 8. De­zem­ber 2011 auf und wies die Sa­che zur Er­gän­zung des Sach­ver­halts im Sinn der Er­wä­gun­gen und zu neu­em Ent­scheid in­nert 14 Ta­gen ab Zu­stel­lung der be­grün­de­ten Aus­fer­ti­gung des bun­des­ge­richt­li­chen Ur­teils an die Vor­in­stanz zu­rück (5A_111/2012 act. 11/6). Die Er­gän­zung des Sach­ver­halts be­traf die Be­hand­lungs- und Krank­heits­ein­sicht von X.________ und die Fra­ge der vom Al­ko­hol­miss­brauch aus­ge­hen­den kon­kre­ten und un­mit­tel­ba­ren Ge­fahr.

B.

An­läss­lich der Ver­hand­lung vom 19. März 2012 hör­te das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt den Gut­ach­ter zu den er­gän­zen­den Sach­fra­gen so­wie X.________ und de­ren The­ra­peu­ten, Dr. Y.________, an. Fer­ner kam der An­walt der Be­schwer­de­füh­re­rin zu Wort. Mit Ur­teil vom glei­chen Tag wies das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt den Re­kurs ab.

C.

Die an­walt­lich ver­bei­stän­de­te X.________ (Be­schwer­de­füh­re­rin) hat ge­gen das ihr am 30. März 2012 in vol­ler Aus­fer­ti­gung zu­ge­stell­te Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts am 2. April 2012 per Fax und am 9. Mai 2012 (Post­auf­ga­be) schrift­lich beim Bun­des­ge­richt Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen er­ho­ben. Sie be­an­tragt zur Haupt­sa­che, das Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts Ba­sel-Stadt vom 19. März 2012 und der Ent­scheid des Für­sor­ge­ra­tes Ba­sel Stadt vom 21. Sep­tem­ber 2011 sei­en auf­zu­he­ben. Fer­ner sei fest­zu­stel­len, dass sie kraft Ur­teil des Bun­des­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2012 in "ver­fah­rens­be­en­di­gen­der" Wei­se ent­las­sen wor­den sei. Even­tu­ell sei sie de­fi­ni­tiv aus der für­sor­ge­ri­schen Frei­heits­ent­zie­hung zu ent­las­sen. Sub­even­tu­ell sei fest­zu­stel­len, dass sie nicht ge­gen ih­ren Wil­len in den "B.________" oder ei­ner an­de­ren ty­pähn­li­chen An­stalt ein­ge­wie­sen wer­den dür­fe. Für das bun­des­ge­richt­li­che Ver­fah­ren er­sucht die Be­schwer­de­füh­re­rin um un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge und Ver­bei­stän­dung.

D.

Das Ge­such der Be­schwer­de­füh­re­rin um auf­schie­ben­de Wir­kung ist mit Ver­fü­gung vom 3. April 2012 ab­ge­wie­sen wor­den.

E.

Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt des Kan­tons Ba­sel-Stadt schliesst auf Ab­wei­sung der Be­schwer­de.

F.

Die Be­schwer­de­füh­re­rin ist am 22. Fe­bru­ar 2012 durch die kan­to­na­le Ab­tei­lung Sucht aus der sta­tio­nä­ren Mass­nah­me "be­ur­laubt" wor­den.

G.

Die Be­schwer­de­füh­re­rin hat den Bun­des­ge­richt am 29. Mai 2012 ein wei­te­res Schrei­ben zu­kom­men las­sen.

Er­wä­gun­gen:

1.

1.1 An­ge­foch­ten ist ein letzt­in­stanz­li­cher kan­to­na­ler End­ent­scheid (Art. 75 Abs. 1 und Art. 90 BGG) be­tref­fend für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung. Er be­trifft ei­ne öf­fent­lich-recht­li­che An­ge­le­gen­heit, die in en­gem Zu­sam­men­hang mit dem Zi­vil­recht steht und dem­zu­fol­ge mit Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen beim Bun­des­ge­richt an­ge­foch­ten wer­den kann (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 6 BGG). Die be­grün­de­te Aus­fer­ti­gung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ist der Be­schwer­de­füh­re­rin am 30. März 2012 zu­ge­stellt wor­den, wo­mit die Be­schwer­de­frist in­fol­ge der Os­ter­ge­richts­fe­ri­en am Mon­tag 14. Mai 2012 ab­ge­lau­fen ist (Art. 100 Abs. 1 BGG; Art. 46 Abs. 1 lit. a BGG). Die am 9. Mai 2012 schrift­lich ein­ge­reich­te Be­schwer­de ist da­mit recht­zei­tig er­folgt. Die Fax-Ein­ga­be vom 2. April 2012 ist un­gül­tig und da­mit un­be­acht­lich (BGE 121 II 252 E. 4b S. 255; für das neue Recht: Ur­teil 9C_739/2007 vom 28. No­vem­ber 2007 E. 1.2).

1.2 Das Ur­teil des Bun­des­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2012 ist dem Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt am 28. Fe­bru­ar 2012 in be­grün­de­ter Aus­fer­ti­gung zu­ge­stellt wor­den, wo­mit die­se In­stanz in­nert 14 Ta­gen ab Zu­stel­lung, d.h. bis zum 13. März 2012 neu zu ent­schei­den hat­te. Der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid ist je­doch erst am 19. März 2012 er­gan­gen. Nach An­sicht des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts hat das Bun­des­ge­richt mit die­ser An­ord­nung nicht die Auf­he­bung der für­sor­ge­ri­schen Frei­heits­ent­zie­hung für den Fall der Nicht­ein­hal­tung der Frist ver­fügt, son­dern im­pli­zi­te dem Rechts­mit­tel der Be­schwer­de­füh­re­rin die auf­schie­ben­de Wir­kung zu­er­kannt.

Die Be­schwer­de­füh­re­rin macht gel­tend, das Bun­des­ge­richt ge­he in der Be­grün­dung zum Ent­scheid (E. 4) da­von aus, die Be­schwer­de­füh­re­rin sei bei Nicht­ein­hal­tung der Frist zu ent­las­sen. Mit der An­ord­nung der Ent­las­sung für den Fall der Nicht­ein­hal­tung der Frist gel­te das Ein­wei­sungs­ver­fah­ren als be­en­det. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz ha­be das Bun­des­ge­richt nicht die Wie­der­her­stel­lung der auf­schie­ben­den Wir­kung, son­dern die Ent­las­sung der Be­schwer­de­füh­re­rin an­ge­ord­net.

Es er­scheint frag­lich, ob das Bun­des­ge­richt ei­nem kan­to­na­len Rechts­mit­tel auf­schie­ben­de Wir­kung zu­er­ken­nen kann. Si­cher ist in­des, dass es dem Bun­des­ge­richt mit die­ser An­ord­nung dar­um ging, den bis an­hin äus­serst schlep­pen­den Ver­fah­rens­gang mit Blick auf Art. 5 Ziff. 4 EM­RK vor­an­zu­trei­ben und das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt zu mehr Spe­di­ti­vi­tät an­zu­hal­ten. Die letz­te kan­to­na­le In­stanz hat zwar die Frist nicht ein­ge­hal­ten, hat aber im­mer­hin am 19. März 2012 ent­schie­den. Im Lich­te die­ser tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten ist es nicht an­ge­bracht, die Be­schwer­de­füh­re­rin al­lein des­halb zu ent­las­sen, weil die Frist um ei­ni­ge Ta­ge nicht ein­ge­hal­ten wor­den ist. Dem Fest­stel­lungs­an­trag der Be­schwer­de­füh­re­rin ist so­mit von vorn­her­ein nicht zu ent­spre­chen.

1.3 Nach den Aus­füh­run­gen des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts ist die Be­schwer­de­füh­re­rin be­reits am 22. Fe­bru­ar 2012 aus der sta­tio­nä­ren Be­hand­lung "be­ur­laubt" wor­den. Dem an­ge­foch­te­nen Ent­scheid lässt sich nicht ent­neh­men, wer die­se "Be­ur­lau­bung" an­ge­ord­net hat. Aus der Be­schwer­de er­gibt sich, dass die Ab­tei­lung für Sucht sich zu die­sem Schritt ver­an­lasst ge­se­hen hat. Im vor­lie­gen­den Fall hat in­des der Für­sor­ge­rat des Kan­tons Ba­sel-Stadt die für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung an­ge­ord­net, wo­mit auch die­se Be­hör­de zur Ent­las­sung der be­trof­fe­nen Per­son aus­schliess­lich zu­stän­dig ist (Art. 397b Abs. 3 ZGB; Ur­teil 5A_708/2010 vom 5. No­vem­ber 2010 E. 3.1). Im vor­lie­gen­den Fall ist nicht er­stellt, dass ei­ne Ent­las­sung der Be­schwer­de­füh­re­rin durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de an­ge­ord­net wor­den wä­re. Das Ver­fah­ren kann da­mit nicht als ge­gen­stands­los ab­ge­schrie­ben wer­den. Viel­mehr ver­fügt die Be­schwer­de­füh­re­rin nach wie vor über ein ak­tu­el­les In­ter­es­se (Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG) an der Über­prü­fung der ge­gen sie ver­häng­ten Mass­nah­me, zu­mal sie auf­grund der be­ste­hen­den Rechts­la­ge je­der­zeit wie­der in die An­stalt zu­rück­ver­setzt wer­den kann (Ur­teil 5P.346/2002 vom 30. Ok­to­ber 2002 E. 2, in: Fam­Pra.ch 2003 S. 227).

2.

Die Ein­wei­sung bzw. die Zu­rück­be­hal­tung in ei­ner An­stalt ge­stützt auf Art. 397a Abs. 1 ZGB er­for­dert, dass die be­trof­fe­ne Per­son in­fol­ge der im Ge­setz um­schrie­be­nen Schwä­che­zu­stän­de per­sön­li­cher Für­sor­ge be­darf, die ihr nur in ei­ner An­stalt ge­währt wer­den kann (BGE 114 II 213 E. 5; sie­he zum Gan­zen: BGE 134 III 289 E. 4). Die in Art. 397a Abs. 1 ZGB ent­hal­te­ne Auf­zäh­lung der Schwä­che­zu­stän­de ist ab­schlies­send (BBl 1977 III 26 Ziff. 212.2). Ins­be­son­de­re sieht das Ge­setz kei­ne für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung al­lein we­gen Fremd­ge­fähr­dung vor (vgl. da­zu ins­be­son­de­re auch EU­GEN SPI­RIG, Zür­cher Kom­men­tar, N. 340 zu Art. 397a ZGB; THO­MAS GEI­SER, Bas­ler Kom­men­tar Zi­vil­ge­setz­buch I, 4. Aufl. 2010, N. 26 zu Art. 397a ZGB).

3.

Im vor­lie­gen­den Fall ist frag­lich, ob sich ei­ne Fort­füh­rung der für­sor­ge­ri­schen Frei­heits­ent­zie­hung über­haupt recht­fer­tigt, nach­dem die Be­schwer­de­füh­re­rin be­reits am 22. Fe­bru­ar 2012 "be­ur­laubt" wor­den ist und ge­mäss An­ga­ben ih­res An­walts vom 29. Mai 2012 nach ei­ner kur­zen Un­ter­bre­chung er­neut per so­fort be­ur­laubt wor­den ist. Den­noch recht­fer­tigt es sich, die Vor­aus­set­zun­gen der für­sor­ge­ri­schen Frei­heits­ent­zie­hung zu über­prü­fen.

4.

Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt ist im Fall der Be­schwer­de­füh­re­rin ge­stützt auf die durch­ge­führ­te Be­gut­ach­tung, die Be­fra­gung der Gut­ach­ter und der Be­trof­fe­nen an­läss­lich der Ver­hand­lung vom 8. De­zem­ber 2011 von ei­ner schwe­ren Al­ko­hol­ab­hän­gig­keit aus­ge­gan­gen (Ur­teil 5A_111/2012 vom 27. Fe­bru­ar 2012 E. 2.1). Die Vor­in­stanz hat die­se Fest­stel­lung im Ent­scheid vom 19. März 2012 über­nom­men. Die Be­schwer­de­füh­re­rin bringt in ih­rer Be­schwer­de ge­gen den ge­nann­ten Ent­scheid nichts vor, was die­se Schluss­fol­ge­rung in­fra­ge stell­te. Auf­grund des­sen ist so­mit im Fall der Be­schwer­de­füh­re­rin von ei­ner schwe­ren Al­ko­hol­ab­hän­gig­keit und so­mit von ei­nem Schwä­che­zu­stand im Sinn von Art. 397a Abs. 1 ZGB aus­zu­ge­hen.

5.

5.1 Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt ver­weist ein­lei­tend auf ei­nen Vor­fall, der sich un­mit­tel­bar nach der "Be­ur­lau­bung" vom 22. Fe­bru­ar 2012 er­eig­net hat. Am 29. Fe­bru­ar 2012 wur­de die Be­schwer­de­füh­re­rin in der Woh­nung von Z.________, ei­nem Kol­le­gen, des­sen Ein­la­dung sie ge­folgt war, im Rah­men ei­nes Streits so hef­tig ge­schla­gen, dass sie sich ein Schä­del­trau­ma zu­zog. Die Be­schwer­de­füh­re­rin hat nach den Aus­füh­run­gen des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts ei­nen Al­ko­hol­test ver­wei­gert. Die Vor­in­stanz hält im Wei­te­ren da­für, die Be­schwer­de­füh­re­rin ha­be zu­ge­ge­ben, et­wa gleich­viel wie ihr Kol­le­ge ge­trun­ken zu ha­ben, bei dem der Atem­test 2.43% er­gab. Die Be­schwer­de­füh­re­rin sei von der Sa­ni­tät in das Uni­ver­si­täts­spi­tal ver­bracht wor­den, von wo sie vor der Be­hand­lung wie­der weg­ge­lau­fen sei, ob­wohl das er­lit­te­ne Schä­del­trau­ma un­be­dingt ha­be be­han­delt wer­den müs­sen. Die Po­li­zei ha­be auf An­ord­nung des be­han­deln­den Arz­tes nach der Be­schwer­de­füh­re­rin ge­sucht, die­se aber nicht in ih­rer Woh­nung vor­ge­fun­den. Am nächs­ten Mor­gen sei sie in der Woh­nung ih­res Kol­le­gen an­ge­trof­fen und wie­der zur Not­auf­nah­me des Uni­ver­si­täts­spi­tals ver­bracht wor­den. Nach dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil kann ei­nem Be­richt der Ab­tei­lung Sucht vom 15. März 2012 ent­nom­men wer­den, dass die Be­schwer­de­füh­re­rin am 13. März 2012 mor­gens in al­ko­ho­li­sier­tem Zu­stand und völ­lig "ver­schla­gen" die UPK zu er­neu­ter Be­hand­lung auf­such­te.

5.2 Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt geht auf­grund der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen an der Ver­hand­lung und auf­grund der ge­schil­der­ten Vor­fäl­le da­von aus, dass die Be­schwer­de­füh­re­rin durch ihr be­kann­te Per­so­nen kon­kret und akut ge­fähr­det ist. Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt hält es im Wei­te­ren für no­to­risch, dass Al­ko­hol zu Ge­walt­pro­ble­men füh­re, und ge­langt zum Schluss, die Be­schwer­de­füh­re­rin dro­he auf­grund ih­res Um­felds ei­ne kon­kre­te un­mit­tel­ba­re Ge­fahr, wei­ter­hin Op­fer von Ge­walt­ta­ten zu wer­den.

5.3 Die Be­schwer­de­füh­re­rin macht gel­tend, es sei zu­tref­fend, dass sie vor wei­te­ren Ge­walt­über­grif­fen von­sei­ten ih­res Kol­le­gen ge­schützt wer­den müs­se. Da­zu sei­en in­des zi­vil­recht­li­che bzw. straf­recht­li­che Sank­tio­nen ge­gen­über dem Ge­walt­tä­ter er­for­der­lich und kön­ne nicht auf das In­sti­tut der für­sor­ge­ri­schen Frei­heits­ent­zie­hung ge­grif­fen wer­den. Die an­ge­ord­ne­te Mass­nah­me sei un­ver­hält­nis­mäs­sig.

5.4 Der Be­schwer­de­füh­re­rin ist dar­in bei­zu­pflich­ten, dass dem ge­schil­der­ten Ge­wal­ter­eig­nis in ers­ter Li­nie mit zi­vil- und straf­recht­li­chen Mit­teln zu be­geg­nen ist. Die­se Schluss­fol­ge­rung recht­fer­tigt sich vor­lie­gend nicht zu­letzt auch des­halb, weil auf­grund des durch­ge­führ­ten Be­weis­ver­fah­rens nicht rest­los ge­klärt ist, ob die Be­schwer­de­füh­re­rin in al­ko­ho­li­sier­tem Zu­stand ih­ren Kol­le­gen pro­vo­ziert und da­mit das Ge­wal­ter­eig­nis aus­ge­löst hat. Hin­zu kommt, dass ein ein­zi­ger Vor­fall kon­kret aus­ge­wie­sen wird. Da­mit lässt sich ei­ne für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung nicht recht­fer­ti­gen.

6.

6.1 Mit Be­zug auf den Für­sor­ge­be­darf hält der an der Ver­hand­lung be­frag­te Gut­ach­ter, Dr. W.________, im Wei­te­ren da­für, bei der Be­schwer­de­füh­re­rin wür­den auf­grund des sehr ho­hen Al­ko­hol­kon­sums sehr rasch er­heb­li­che Schä­di­gun­gen auf­tre­ten. Of­fen­sicht­lich sei be­reits ei­ne Schä­di­gung in Form ko­gni­ti­ver Ein­schrän­kun­gen ein­ge­tre­ten, die sich in "Wort­fin­dungs­stö­run­gen", Schwie­rig­kei­ten zeit­li­che Ab­läu­fe bei Be­wusst­sein zu ha­ben (sog. "Zeit­git­ter­stö­run­gen") und in Weit­schwei­fig­keit äus­ser­ten. Die­se Schä­di­gun­gen sei­en bei län­ger­fris­ti­ger Ab­sti­nenz re­ver­si­bel. Der Be­schwer­de­füh­re­rin sei es in­des an der frü­he­ren Haupt­ver­hand­lung bes­ser ge­gan­gen als zum heu­ti­gen Zeit­punkt. Ob­wohl sie seit ei­ner Wo­che ab­sti­nent ge­we­sen sei, er­wie­sen sich die ko­gni­ti­ven Ein­schrän­kun­gen nach wie vor als er­heb­lich und brau­che sie jetzt we­sent­lich län­ger, un­ge­fähr ei­nen Mo­nat, um wie­der zu ei­nen nor­ma­len, kla­ren Zu­stand zu kom­men. Pro­ble­ma­tisch sei, dass das Ge­hirn kei­ne Er­ho­lungs­pha­se mehr ha­be. Die Be­schwer­de­füh­re­rin sei kei­ne "Pe­gel­t­rin­ke­rin", son­dern gel­te als "Kon­flikt­trin­ke­rin", wo­bei ih­re Schwel­le er­heb­lich her­ab­ge­setzt sei. In der Kon­flikt­si­tua­ti­on trin­ke sie sehr viel Al­ko­hol.

Das Ober­ge­richt führt im an­ge­foch­te­nen Ur­teil aus, an der Ver­hand­lung vom 19. März 2012 sei auf­ge­fal­len, dass sich die Be­schwer­de­füh­re­rin kaum an die zeit­li­chen Ab­läu­fe oder Da­ten und Wo­chen­ta­ge er­in­nern kön­ne und kürz­lich er­leb­te Vor­fäl­le kaum rich­tig ha­be wie­der­ge­ben kön­nen. Sie ha­be zu­dem auf die ihr ge­stell­ten Fra­gen nicht an­ge­mes­sen re­agiert, die­se nicht be­ant­wor­ten kön­nen und ha­be Mü­he be­kun­det, die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den. Da­mit wür­den die vom Sach­ver­stän­di­gen er­wähn­ten "Wort­fin­dungs­stö­run­gen" und "Zeit­fens­ter­stö­run­gen" deut­lich sicht­bar. Noch an der Ver­hand­lung des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts vom 10. No­vem­ber 2011 sei­en die Äus­se­run­gen der Be­schwer­de­füh­re­rin bes­ser ver­ständ­lich ge­we­sen. Auf­ge­fal­len sei­en aber auch die weit­schwei­fi­gen und un­prä­zi­sen Äus­se­run­gen zu den ge­stell­ten Fra­gen. Selbst nach ei­ner ab­sti­nen­ten Wo­che sei­en die ko­gni­ti­ven Ein­schrän­kun­gen auch für ei­nen Lai­en deut­lich er­kenn­bar ge­we­sen. Die­sem Er­geb­nis kön­ne nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, be­züg­lich der be­schrie­be­nen Ein­schrän­kun­gen sei­en kei­ne Tests durch­ge­führt wor­den. Auf­grund des vor­ge­schrie­be­nen ra­schen Ver­fah­rens hät­ten sol­che Tests zu un­ter­blei­ben, zu­mal die auf­ge­zeig­ten ko­gni­ti­ven Ein­schrän­kun­gen für das Ge­richt un­mit­tel­bar nach­voll­zieh­bar ge­we­sen sei­en. Aus all die­sen Über­le­gun­gen er­ge­be sich, dass der Be­schwer­de­füh­re­rin im Fal­le un­ter­blie­be­ner Sucht­be­hand­lung schwer­wie­gen­de, durch die Sucht be­grün­de­te ge­sund­heit­li­che Fol­ge­schä­den droh­ten.

6.2 Die Be­schwer­de­füh­re­rin macht gel­tend, die Vor­in­stanz und der an der Ver­hand­lung an­we­sen­de Gut­ach­ter hät­ten über­se­hen, dass sie we­gen des Vor­falls vom 29. Fe­bru­ar 2012 ein Schä­del­hirn­t­rau­ma er­lit­ten ha­be und laut Be­richt der Ab­tei­lung Sucht vom 13. März 2012 an die­sem Tag noch "völ­lig ver­schla­gen" ge­we­sen sei. An der Ver­hand­lung vom 19. März 2012 ha­be sie ein gros­ses Hä­ma­tom am Kopf auf­ge­wie­sen und ha­be da­her im­mer noch an den Fol­gen des Schä­del­trau­mas ge­lit­ten. Der eben­falls an­we­sen­de The­ra­peut, Dr. Y.________, ha­be die Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters Dr. W.________ nicht be­stä­ti­gen kön­nen. Bei die­ser Sach­la­ge hät­te der Gut­ach­ter ver­schie­de­ne Tests durch­füh­ren müs­sen, um sei­ne ent­ge­gen dem ge­richt­li­chen Gut­ach­ten der UPK vom 28. Au­gust 2011 auf­ge­stell­te Be­haup­tung zu un­ter­mau­ern, sie (die Be­schwer­de­füh­re­rin) ha­be be­reits al­ko­hol­be­ding­te Ein­schrän­kun­gen. Das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt sei in Will­kür ver­fal­len, in­dem es oh­ne kla­re kor­rekt dia­gnos­ti­zier­te neu­ro­lo­gi­sche Be­fun­de die vom Gut­ach­ter be­schrie­be­nen "Wort­fin­dungs­stö­run­gen", "Zeit­git­ter­stö­run­gen" ih­rem Al­ko­hol­kon­sum zu­ge­schrie­ben ha­be.

6.3 Will­kür in der Be­weis­wür­di­gung setzt vor­aus, dass der Rich­ter den Sinn und die Trag­wei­te ei­nes Be­weis­mit­tels of­fen­sicht­lich nicht er­kannt, oh­ne ver­nünf­ti­gen Grund ein ent­schei­den­des Be­weis­mit­tel aus­ser Acht ge­las­sen oder aus den vor­han­de­nen Be­weis­mit­teln ei­nen un­halt­ba­ren Schluss ge­zo­gen hat (BGE 137 III 226 E. 4.2 S. 234; 129 I 8 E. 2.1 S. 9).

6.4 Der Vor­wurf will­kür­li­cher Be­weis­wür­di­gung er­weist sich als be­grün­det: Dem an­ge­foch­te­nen Ent­scheid lässt sich zwar ent­neh­men, dass sich am 29. Fe­bru­ar 2012 ein Ge­wal­ter­eig­nis ge­gen­über der Be­schwer­de­füh­re­rin und zu ih­ren Las­ten zu­ge­tra­gen hat, bei dem ihr ein Schä­del­trau­ma zu­ge­fügt wor­den ist. Wei­ter er­gibt sich, dass es sich da­bei nicht um ei­nen Ba­ga­tell­fall ge­han­delt hat, zu­mal der be­han­deln­de Arzt des Uni­ver­si­täts­spi­tals nach der Be­schwer­de­füh­re­rin su­chen liess, als die­se un­ver­hofft das Spi­tal vor der Durch­füh­rung ei­ner Be­hand­lung ver­liess. An­ge­sichts des Um­stan­des, dass sich die­ser Vor­fall nur knapp drei Wo­chen vor der Ver­hand­lung vom 19. März 2012 zu­ge­tra­gen hat und die Be­schwer­de­füh­re­rin an­läss­lich der Ver­hand­lung die be­schrie­be­nen, frü­her nicht bzw. nicht in die­sem Aus­mass vor­han­de­nen ko­gni­ti­ven Stö­run­gen auf­wies, hät­ten sich wei­te­re Ab­klä­run­gen auf­ge­drängt. Ins­be­son­de­re wä­re es an­ge­bracht ge­we­sen, den an­we­sen­den Gut­ach­ter mit die­sem Er­eig­nis bzw. des­sen Fol­gen zu kon­fron­tie­ren und ihn nach der Ur­säch­lich­keit des Ge­wal­ter­eig­nis­ses für die fest­ge­stell­ten De­fi­zi­te der Be­schwer­de­füh­re­rin zu fra­gen. Da sol­che Ab­klä­run­gen un­ter­blie­ben sind, ist die Be­haup­tung der Be­schwer­de­füh­re­rin, der Vor­fall vom 29. Fe­bru­ar 2012 sei für ih­ren an der Ver­hand­lung fest­ge­stell­ten Ge­sund­heits­zu­stand ur­säch­lich, zum heu­ti­gen Zeit­punkt we­der ein­wand­frei er­stellt noch wi­der­legt. Die Fest­stel­lung der Vor­in­stanz, die be­sag­ten De­fi­zi­te sei­en auf den Al­ko­hol­kon­sum zu­rück­zu­füh­ren, er­weist sich un­ter die­sen Um­stän­den als will­kür­lich. Auf­grund die­ser will­kür­li­chen Fest­stel­lung lässt sich kein Für­sor­ge­be­darf im Sinn von Art. 397a Abs. 1 ZGB an­neh­men. An­ge­sichts die­ser ver­fas­sungs­wid­ri­gen Fest­stel­lung stellt die Mei­nung des Gut­ach­ters, der Zu­stand der Be­schwer­de­füh­re­rin wer­de sich ver­schlech­tern, wenn ei­ne Be­hand­lung un­ter­blei­be, kei­ne kon­kre­te Ge­fahr im Sinn der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung dar.

7.

Zu­sam­men­fas­send er­gibt sich so­mit, dass we­der das Ge­wal­ter­eig­nis vom 29. Fe­bru­ar 2012 noch die vom Gut­ach­ter Dr. W.________ fest­ge­stell­ten ko­gni­ti­ven De­fi­zi­te, noch des­sen sons­ti­gen Aus­füh­run­gen ei­nen ge­nü­gen­den Für­sor­ge­be­darf im Sinn von Art. 397a Abs. 1 ZGB er­ken­nen las­sen. An­ge­sichts der un­ge­nü­gen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen wä­re das an­ge­foch­te­ne Ur­teil grund­sätz­lich er­neut auf­zu­he­ben und die Sa­che zu er­gän­zen­den Fest­stel­lun­gen an die Vor­in­stanz zu­rück­zu­wei­sen. Im vor­lie­gen­den Fall ist je­doch von die­sem Schritt ab­zu­se­hen: Wie be­reits dar­ge­legt (E. 3 hier­vor) be­ste­hen in­fol­ge der wie­der­hol­ten Be­ur­lau­bung der Be­schwer­de­füh­re­rin grund­sätz­li­che Be­den­ken ge­gen ei­ne Fort­füh­rung der Frei­heits­ent­zie­hung. Im Wei­te­ren ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass die hier strit­ti­ge für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung am 21. Sep­tem­ber 2011 ver­fügt wor­den ist. Die ers­te ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung durch das Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt er­folg­te erst am 8. De­zem­ber 2011. Nach er­folg­ter An­fech­tung die­ses Ent­scheids und der Gut­heis­sung des von der Be­schwer­de­füh­re­rin er­ho­be­nen Rechts­mit­tels konn­te die Vor­in­stanz nicht wie an­ge­ord­net in­nert 14 Ta­gen ab Zu­stel­lung des be­grün­de­ten bun­des­ge­richt­li­chen Ur­teils (13. März 2012), son­dern erst am 19. März 2012 er­neut ent­schei­den. Da­mit hat das Ver­fah­ren oh­ne Be­rück­sich­ti­gung des vor­lie­gen­den bun­des­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens, rund sechs Mo­na­te in An­spruch ge­nom­men. Mit Art. 5 Ziff. 4 EM­RK, der von den zu­stän­di­gen Be­hör­den ei­nen Ent­scheid in­nert kur­zer Frist ver­langt, ist ei­ne wei­te­re Ver­zö­ge­rung nicht zu ver­ein­ba­ren. Die am 21. Sep­tem­ber 2011 an­ge­ord­ne­te für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung ist dem­nach oh­ne wei­te­res auf­zu­he­ben und es ist die Ent­las­sung der Be­schwer­de­füh­re­rin an­zu­ord­nen, so­weit sich die­se über­haupt noch in ei­ner An­stalt be­fin­det.

8.

Die Be­schwer­de ist in die­sem Sin­ne gut­zu­heis­sen. Bei die­sem Aus­gang des Ver­fah­rens sind kei­ne Kos­ten zu er­he­ben (Art. 66 Abs. 4 BGG). Der Kan­ton Ba­sel-Stadt hat in­des die Be­schwer­de­füh­re­rin für das bun­des­ge­richt­li­che Ver­fah­ren zu ent­schä­di­gen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

9.

Mit der vor­lie­gen­den Kos­ten- und Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung wird das Ge­such der Be­schwer­de­füh­re­rin um un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge ge­gen­stands­los.

Dem­nach er­kennt das Bun­des­ge­richt:

1.

Die Be­schwer­de wird gut­ge­heis­sen und das Ur­teil des Ap­pel­la­ti­ons­ge­richts Ba­sel-Stadt vom 19. März 2012 wird auf­ge­ho­ben. Die mit Ent­scheid des Für­sor­ge­ra­tes des Kan­tons Ba­sel-Stadt vom 21. Sep­tem­ber 2011 an­ge­ord­ne­te für­sor­ge­ri­sche Frei­heits­ent­zie­hung wird auf­ge­ho­ben. Die Be­schwer­de­füh­re­rin ist un­ver­züg­lich zu ent­las­sen, so­weit sie sich zur­zeit noch in ei­ner An­stalt be­fin­det.

2.

Es wer­den kei­ne Ge­richts­kos­ten er­ho­ben.

3.

Der Kan­ton Ba­sel-Stadt hat die Be­schwer­de­füh­re­rin für das bun­des­ge­richt­li­che Ver­fah­ren mit Fr. 3'000.-- zu ent­schä­di­gen.

4.

Die­ses Ur­teil wird der Be­schwer­de­füh­re­rin, dem Für­sor­ge­rat des Kan­tons Ba­sel-Stadt, der Ab­tei­lung Sucht des Kan­tons Ba­sel-Stadt und dem Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt des Kan­tons Ba­sel-Stadt als Ver­wal­tungs­ge­richt schrift­lich mit­ge­teilt.

Lau­sanne, 4. Ju­ni 2012

Im Na­men der II. zi­vil­recht­li­chen Ab­tei­lung

des Schwei­ze­ri­schen Bun­des­ge­richts

Die Prä­si­den­tin: Hohl

Der Ge­richts­schrei­ber: Zbin­den

 

Webauftritt gestaltet mit YAML (CSS Framework), Contao 3.5.27 (Content Management System) und PHPList (Newsletter Engine)

Copyright © 2006-2025 by grundrechte.ch