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Brief an den Bundesrat

Bern, den 28. Ju­li 2008

Herrn Bun­des­prä­si­dent

Pas­cal Cou­che­pin

Frau Bun­des­rä­tin

Eve­li­ne Wid­mer-Schlumpf, Vor­ste­he­rin EJPD

Bun­des­haus West

3003 Bern

Sehr ge­ehr­ter Herr Bun­des­prä­si­dent

Sehr ge­ehr­te Frau Bun­des­rä­tin

Wie Sie am 24. Ju­li 2008 den Me­di­en ent­neh­men konn­ten, hat das vom EDO­EB ge­währ­te Ein­sichts­recht in die Staats­schutz­ak­ten er­ge­ben, dass der Dienst für Ana­ly­se und Prä­ven­ti­on DAP zwei Per­so­nen und ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on un­recht­mäs­sig fi­chiert hat. Der­zeit sind wei­te­re Ein­sichts­ge­su­che hän­gig, so un­ter an­de­rem von den Bas­ler Par­la­ments­mit­glie­dern tür­ki­scher Her­kunft.

Wir möch­ten Sie da­her ein­dring­lich bit­ten, si­cher­zu­stel­len, dass der DAP kei­ne Ak­ten ver­nich­tet bzw. kei­ner­lei Da­ten im ge­sam­ten Staats­schutz­sys­tem ISIS löscht: Wir be­fürch­ten, dass der DAP auf­grund der pu­blik ge­wor­de­nen Fi­chie­rung Da­ten in ei­ge­ner Re­gie ver­nich­tet. Dies kann nur der Bun­des­rat ver­hin­dern und da­mit si­cher­stel­len, dass al­le hän­gi­gen und al­len­falls neu ein­ge­reich­ten Ein­sichts­ge­su­che wahr­heits­ge­treu be­ant­wor­tet wer­den kön­nen.

Wei­ter möch­ten wir Sie auf­for­dern, dem DAP kla­re Vor­ga­ben ge­ben, dass die­ser bis zum Ab­schluss ei­ner um­fas­sen­den Ab­klä­rung durch ei­ne Kon­troll­kom­mis­si­on und der Ge­wäh­rung des Ak­ten­ein­sichts­rechts kei­ne neu­en Fi­chen an­legt.

Auf­grund un­se­rer Er­fah­rung sind wir zu­dem der An­sicht, dass al­len fi­chier­ten Per­so­nen so­fort voll­stän­di­ge und un­ein­ge­schränk­te und un­zen­su­rier­te Dos­sier­ein­sicht ge­währt wer­den soll­te - ana­log der Pra­xis des Bun­des­ra­tes nach der Fi­chen­af­fä­re. Da­zu ge­hört die Ein­sicht in al­le im Com­pu­ter ge­spei­cher­ten Da­ten wie auch in all­fäl­lig vor­han­de­ne Un­ter­la­gen in so ge­nann­ten Han­d­ar­chi­ven und Ak­ten­dos­siers so­wie die Mit­tei­lung, wo­her die­se Da­ten kom­men und an wel­che Stel­len sie ge­ge­be­nen­falls wei­ter­ge­ge­ben wur­den. Es muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei den of­fen­bar der­zeit vor­han­de­nen rund 110'000 Da­ten­sät­zen im ISIS-Com­pu­ter­sys­tem zu ei­nem gros­sen Teil um die Fi­chie­rung po­li­ti­scher Tä­tig­kei­ten han­delt, die nach Ar­ti­kel 3 BWIS gar nicht erst re­gis­triert wer­den dürf­ten. Al­len von ei­ner Fi­chie­rung mög­li­cher­wei­se Be­trof­fe­nen muss da­her ein um­fas­sen­des Ein­sichts­recht ge­währt wer­den, mit der Mög­lich­keit auf Be­rich­ti­gung oder dem An­trag auf Lö­schung fal­scher Da­ten.

Nebst der Wie­der­her­stel­lung ei­ner, den rechts­staat­li­chen Prin­zi­pi­en ent­spre­chen­den Si­tua­ti­on geht es da­bei auch dar­um, die Ge­schichts­schrei­bung nicht zu ver­fäl­schen. Die Tat­sa­che, dass der DAP zehn Jah­re nach In­kraft­set­zung des BWIS of­fen­sicht­lich doch wie­der le­ga­le po­li­ti­sche Tä­tig­kei­ten re­gis­triert darf nicht ver­tuscht wer­den, son­dern muss in na­her und spä­te­rer Zu­kunft re­kon­stru­ier­bar blei­ben.

Wir hof­fen da­her sehr - auch im Na­men al­ler Be­trof­fe­nen - dass sich der Bun­des­rat die­sen Fra­gen an­neh­men und dem Prin­zip der Öf­fent­lich­keit fol­gen kann.

Mit freund­li­chen Grüs­sen

RA Vik­tor Györf­fy, Prä­si­dent von grund­rech­te.ch

Bei­la­gen:

- Ant­wor­ten des EDO­EB auf die Ein­sichts­be­geh­ren

- For­de­run­gen von grund­rech­te.ch

 

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