SBB wehren sich gegen «Bonus-Meilen»

22. November 2012

Christoph Reichmuth, Luzerner Zeitung

VERKEHR Die SBB sollen Vielfahrer belohnen, fordert das Jugendparlament. Die SBB sehen Probleme mit dem Datenschutz.

Am Sonntagabend überreichten die Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker dem Nationalratspräsident Hansjörg Walter eine Reihe von Vorschlägen, welche die Jugendsession an ihrer Tagung im Bundeshaus ausgearbeitet hatte. Eine der Forderungen richtet sie direkt an die SBB: Die Bundesbahnen sollen eine Art Treueabo-System schaffen, um Vielfahrer zu belohnen - vergleichbar mit dem Sammeln von Flugmeilen bei Fluggesellschaften. Wer eine gewisse Anzahl Bahnkilometer absolviert hat, soll in den Genuss von Vergünstigungen etwa bei Snow-'n'-Rail-Tickets oder Tageskarten kommen. Mit dieser Massnahme könnten die Leute auf den umweltschonenden ÖV umgeleitet werden, argumentieren die Jungpolitiker.

«Das ist längst realisiert»

Die Forderung wurde mit 131 zu 36 Stimmen recht wuchtig angenommen und landet nun zur Prüfung bei den Verkehrskommissionen beider Räte. So vernünftig sich die Idee anhört - die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) in Bern zeigten dazu wenig Begeisterung. «Was die Jugendlichen vorschlagen, ist mit Angeboten wie dem Generalabonnement längst realisiert», sagt VöV-Sprecher Roger Baumann. Das GA sei nichts anderes als eine Rabattkarte für Vielfahrer. Zudem seien die neuen GA-Preise ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember für Jugendliche wiederum stark vergünstigt So kostet ein Junior-GA 4310 Franken, rund 1500 Franken weniger als das übliche Generalabonnement

Mögliche Datenschutzprobleme

Baumann und die SBB geben ausserdem zu bedenken, dass bei einem System, wie es die Jugendlichen vorschlagen, die Fahrten der Bahngäste registriert werden müssten. «Die müssten sich via Smartphone in eine bestimmte App einloggen, ein GPS-System würde angeben, ob der Kunde die Fahrt tatsächlich absolviert hat. Ich bin nicht sicher, ob unsere Bahngäste wirklich wollen, dass wir stets und immer wissen, wohin sie zu welchem Zeitpunkt fahren», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. SBB und VöV sehen mögliche Probleme mit dem Datenschützer, sollten die Fahrten der Bahnkunden künftig registriert werden.

Die Bahnkunden hätten heute mit dem Generalabonnement freie Transportwahl und könnten zu jeder Zeit und ohne jegliche Einschränkung ein-, aus- oder umsteigen, sagt SBB-Sprecher Ginsig. Er betont weitet, dass ab Fahrplanwechsel im Dezember ein ähnliches System eingeführt wird, allerdings basiere dieses auf Freiwilligkeit und habe vielmehr einen spielerischen Charakter. Bahnfahrer können sich via Smartphone und GPS in eine bestimmte Verbindung einbuchen, wird diese absolviert, winken am Zielbahnhof kleinere Vergünstigungen in dort ansässigen Bahnhofläden. Ginsig: «Dann kosten das Gipfeli und der Kaffee vielleicht nur die Hälfte».

Subventionen für Lehrlinge

Allen Vorbehalten zum Trotz: Die Jugendlichen haben im Parlament auch Fürsprecher, unter anderem in Louis Scheibert, grüner Nationalrat aus dem Kanton Luzern. «Grundsätzlich halte ich jede Anstrengung für sinnvoll, welche dafür sorgt, dass möglichst viele auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Wir wissen ja, dass die Jugendlichen die hohen Bahnpreisen heute kaum bezahlen können».

Scheibert verweist zudem auf eine noch hängige parlamentarische Initiative des Neuenburger SP-Nationalrats Jacques-André Maire, die von 24 Mitunterzeichnenden im September 2011 eingereicht wurde. Der 55-Jährige fordert darin, dass Jugendliche während der Berufslehre vergünstigt mit der Bahn reisen dürfen. Denn oft befinde sich die Berufsschule nicht am selben Ort wie das Elternhaus. Immerhin, so argumentiert der Neuenburger, würde der Bund auch die Transportkosten der Militärdienstleistenden übernehmen, und das nicht zu knapp. Allein 2010 fielen für den Bund dadurch Kosten von 43 Millionen Franken an. Neu sollen auch «Lernende zwischen dem Hauptwohnsitz und dem Lernort ein Abonnement gegen eine Pauschale von rund 200 Franken pro Jahr beziehen können», schreibt Maire in seinem Vorstoss.

Grünes Licht aus der Kommission

Die Initiative stösst auf Anklang: In der nationalrätlichen Verkehrskommission wurde der Vorstoss klar mit 16 zu 6 Stimmen angenommen. Nun liegt der Ball bei den National- und Ständeräten. Vielleicht ein kleiner Trost für die engagierten Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker, sollte ihr am Sonntag eingereichtes Begehren in der gleichen Kommission von der Schiene aufs Abstellgleis gestellt werden.

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