Mutmasslicher Schweizer Spion legt in Frankfurt ein Geständnis ab

26. Oktober 2017

sda

Der Schwei­zer, der zur­zeit in Frank­furt am Main we­gen Spio­na­ge­ver­dacht vor Ge­richt steht, hat am Don­ners­tag ein Ge­ständ­nis ab­ge­legt. Dem­nach hat er vom Nach­rich­ten­dienst des Bun­des (NDB) Geld er­hal­ten. Auch Na­men nann­te er.

Er ha­be vom NDB 28,000 Eu­ro be­kom­men, liess der Schwei­zer über ei­nen Ver­tei­di­ger vor dem Ober­lan­des­ge­richt in Frank­furt mit­tei­len. Ihm wird zur Last ge­legt, im Zu­sam­men­hang mit so ge­nann­ten Steu­er-CDs per­sön­li­che Da­ten drei­er nord­rhein-west­fä­li­scher Steu­er­fahn­der be­schafft zu ha­ben.

Nur ein Mit­tels­mann ge­we­sen

Aus­ser­dem soll er ei­nen "Maul­wurf" in der Fi­nanz­ver­wal­tung plat­ziert ha­ben. Die deut­sche Bun­des­an­walt­schaft konn­te die Iden­ti­tät die­ser "Quel­le" bis­her nicht er­mit­teln. Ver­tei­di­ger Ro­bert Kain be­stritt ver­gan­ge­ne Wo­che beim Auf­takt des Pro­zes­ses die Exis­tenz die­ses "Maul­wurfs": "Es gibt die­se Quel­le nicht".

Für den Auf­trag, ei­nen Maul­wurf auf­zu­bau­en, wur­de dem mut­mass­li­chen Spi­on ge­mäss An­kla­ge ein Ho­no­rar von 90,000 Eu­ro zu­ge­si­chert. 60,000 Eu­ro da­von sei­en aus­be­zahlt wor­den.

Der Schwei­zer, ein ehe­ma­li­ger Po­li­zist, liess mit­tei­len, dass zwei Teil­be­trä­ge von je­weils 30,000 Eu­ro an ei­nen wei­te­ren Kon­takt­mann auf deut­scher Sei­te wei­ter­ge­lei­tet wor­den sei­en. Er selbst sei nur ein Mit­tels­mann ge­we­sen. Er ha­be zwar auch Geld be­kom­men, aber "nicht mit kri­mi­nel­ler En­er­gie ge­han­delt".

Sei­ne drei Kon­takt­leu­te beim NDB hät­ten ihn mit der Be­schaf­fung der per­sön­li­chen Da­ten der deut­schen Be­am­ten be­auf­tragt, um Fest­nah­me­be­feh­le ge­gen sie aus­stel­len zu kön­nen.

Glaub­haf­tes Ge­ständ­nis ge­for­dert

Spä­ter hät­ten sie ihn wie­der kon­tak­tiert, um mit­hil­fe ei­nes Maul­wurfs ein "Früh­warn­sys­tem" ge­gen neue CD-Käu­fe von deut­scher Sei­te zu in­stal­lie­ren. Der An­ge­klag­te be­zwei­fel­te je­doch, dass sein deut­scher Ge­schäfts­part­ner je ei­ne "Quel­le" auf­ge­tan hat­te.

Der deut­sche Staats­schutz­se­nat hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che zum Auf­takt des Pro­zes­ses dem An­ge­klag­ten ei­ne be­ding­te Stra­fe in Aus­sicht ge­stellt. Al­ler­dings müs­se der ehe­ma­li­ge Po­li­zist und Pri­vat­de­tek­tiv ein glaub­haf­tes Ge­ständ­nis ab­le­gen, das den Fall um­fas­send auf­klä­re.

Auf ei­ne mög­li­che be­ding­te Stra­fe hat­ten sich zu­vor die deut­sche Bun­des­an­walt­schaft und die Ver­tei­di­gung ver­stän­digt. Der Se­nats­vor­sit­zen­de Jo­sef Bill sprach am Don­ners­tag von ei­nem Straf­rah­men zwi­schen ei­nem Jahr und sechs Mo­na­ten und höchs­tens zwei Jah­ren so­wie ei­ner Geld­bus­se von 40,000 Eu­ro.

Das Ge­richt hör­te am Don­ners­tag aus­ser­dem ei­nen Kom­mis­sar des Bun­des­kri­mi­nal­amts als Zeu­gen an. Die­ser sag­te, dass es ab­ge­se­hen von frü­he­ren Äus­se­run­gen des Schwei­zers in ei­nem Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen ihn in der Schweiz kei­nen Hin­weis auf die Exis­tenz ei­nes Spit­zels bei den Steu­er­fahn­dern ge­be.

Der deut­sche Ge­schäfts­part­ner des Schwei­zers wird nicht als Zeu­ge ge­la­den. In ei­ner Wo­che steht das Plä­doy­er der Bun­des­an­walt­schaft an, in zwei Wo­chen will das Ge­richt sein Ur­teil ver­kün­den.

Seit April in Un­ter­su­chungs­haft

Der Schwei­zer wur­de im April in Frank­furt ver­haf­tet. Ihm wird von der Bun­des­an­walt­schaft in Deutsch­land "ge­heim­dienst­li­che Agen­ten­tä­tig­keit" vor­ge­wor­fen. Er soll von Ju­li 2011 bis Fe­bru­ar 2015 im Auf­trag "ei­nes Schwei­zer Nach­rich­ten­diens­tes" die Fi­nanz­ver­wal­tung von Nord­rhein-West­fa­len aus­spio­niert ha­ben.

In der Un­ter­su­chungs­haft sei ihm klar ge­wor­den, "dass sich das al­les nicht ge­lohnt hat", über­mit­tel­te der Ver­tei­di­ger im Pro­zess die An­sicht des An­ge­klag­ten. Sein Man­dant be­reue es, die Sa­che falsch ein­ge­schätzt zu ha­ben.

Der NDB äus­sert sich auf Grund des lau­fen­den Ver­fah­rens nicht zu den Ver­hand­lun­gen oder zu Na­men, wie ei­ne Spre­che­rin am Don­ners­tag auf An­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur sda sag­te.

GPDel ar­bei­tet an Be­richt

Die Ge­schäfts­prü­fungs­de­le­ga­ti­on (GPDel) des Schwei­zer Par­la­ments ar­bei­tet zur­zeit an ei­nem Be­richt zu dem Fall. Aus­sa­gen des An­ge­klag­ten in Frank­furt neh­me die De­le­ga­ti­on zur Kennt­nis und ana­ly­sie­re sie, sag­te Prä­si­dent Alex Kuprecht (SPV/SZ). Die In­spek­ti­on sei noch im Gang.

In der Ge­richts­ver­hand­lung ge­nann­te Na­men kom­men­tier­te Kuprecht nicht. Ih­ren Be­richt will die GPDel vor der Früh­jahrs­ses­si­on den Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­sio­nen vor­le­gen. Die­se wür­den über ei­ne Ver­öf­fent­li­chung be­fin­den. An die­sem Fahr­plan än­de­re der Pro­zess in Frank­furt nichts.

 

Webauftritt gestaltet mit YAML (CSS Framework), Contao 3.5.27 (Content Management System) und PHPList (Newsletter Engine)

Copyright © 2006-2025 by grundrechte.ch