Büpf-Vorratsdatenspeicherung doch nur 6 Monate? Den Gegnern ist es egal

30. November 2015

Von Fa­bi­an Vogt, Com­pu­ter­world.ch

Kurz be­vor das Büpf end­gül­tig ver­ab­schie­det wird, bahnt sich ei­ne Wen­de an. Mit der Ver­kür­zung der Auf­be­wah­rungs­pflicht soll das dro­hen­de Re­fe­ren­dum ab­ge­wen­det wer­den. Ein hoff­nungs­lo­ses Un­ter­fan­gen.

Das re­vi­dier­te Bun­des­ge­setz zur Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs wird in den nächs­ten Wo­chen ver­ab­schie­det. Es steht noch die Dif­fe­renz­ber­ei­ni­gung an, doch die Rä­te sind sich im Grund­satz ei­nig: Die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den er­hal­ten mehr Kom­pe­ten­zen und dür­fen un­ter an­de­rem Staats­tro­ja­ner ein­set­zen. Vor­aus­ge­setzt, ge­gen das Ge­setz wird kein Re­fe­ren­dum er­grif­fen.

Denn ob­wohl die Ab­stim­mun­gen deut­lich zu­guns­ten des neu­en Ge­set­zes ver­lie­fen, war auch der Wi­der­stand nicht über­hör­bar. Die Grü­nen, die Pi­ra­ten und ver­schie­de­ne Jung­par­tei­en – ge­mein­sam mit eta­blier­ten Mit­glie­dern ih­rer Mut­ter­par­tei­en wie Neu­na­tio­nal­rat Franz Grüt­ter (SVP) - droh­ten schon vor den Ab­stim­mun­gen mit ei­nem Re­fe­ren­dum und be­kräf­ti­gen die­se Ab­sich­ten in den letz­ten Mo­na­ten bei ver­schie­de­nen Ge­le­gen­hei­ten. Um die­ses Re­fe­ren­dum zu ver­hin­dern, ha­ben sich die Rechts­kom­mis­sio­nen der bei­den Rä­te kurz vor der Dif­fe­renz­ber­ei­ni­gung zu ei­nem über­ra­schen­den Schritt ent­schlos­sen: Sie wol­len die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung auf sechs Mo­na­te re­du­zie­ren, schreibt die «Schweiz am Sonn­tag».

Sta­tus Quo ge­nügt nicht

Sechs Mo­na­te war bis­lang schon die Zeit, wel­che Pro­vi­der Rand­da­ten für die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den spei­chern muss­ten. Mit dem re­vi­dier­ten BÜPF hät­te die­se auf zwölf Mo­na­te aus­ge­wei­tet wer­den sol­len. Was die Rechts­kom­mis­sio­nen nun of­fen­bar nicht mehr so op­ti­mal fin­den und auf Gleich­ge­sinn­te in ih­ren Rä­ten hof­fen: «Ich ge­he da­von aus, dass der An­trag ei­ne Mehr­heit fin­det», wird CVP-Stän­de­rat Ste­fan En­ge­ler, Mit­glied der stän­de­rät­li­chen Rechts­kom­mis­si­on, in der Schweiz am Sonn­tag zi­tiert. Im Na­tio­nal­rat könn­te es en­ger wer­den, doch ent­schei­dend ist das nicht. Denn die Ein­schät­zung des ab­tre­ten­den Zür­cher Na­tio­nal­rats Da­ni­el Vi­scher (Grü­ne), dass bei ei­ner Re­duk­ti­on der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung auf sechs Mo­na­te «das BÜPF-Re­fe­ren­dum ge­stor­ben» sei, ist völ­lig falsch.

Vie­len Geg­nern geht es nicht um tech­ni­sche De­tails des Ge­set­zes son­dern um das Ge­setz an sich. Sie se­hen kei­nen Sinn dar­in, dass der Staat Da­ten auf Vor­rat spei­chern soll. Ent­spre­chend wer­den sie am BÜPF-Re­fe­ren­dum fest­hal­ten, wie uns De­nis Si­mo­net, Me­di­en­spre­cher der Pi­ra­ten­par­tei Schweiz, sagt: «Es ist schön, dass dar­über dis­ku­tiert wird, et­was zu än­dern. Aber der Vor­schlag ist nicht zu En­de ge­dacht. Nach wie vor wird nicht dar­über dis­ku­tiert ob es sinn­voll ist, über­haupt ein sol­ches Ge­setz ein­zu­füh­ren.» Die Pi­ra­ten und die an­de­ren Mit­glie­der des Stop-Büpf-Ko­mi­tees wer­den des­halb wei­ter Wer­bung ge­gen das Ge­setz ma­chen.

Wenn das Ge­setz in der Win­ter­ses­si­on ver­ab­schie­det wird, dürf­ten die Re­fe­ren­dums­be­für­wor­ter mit der Samm­lung der be­nö­tig­ten 50 000 Un­ter­schrif­ten An­fang nächs­tes Jahr be­gin­nen. Sie ha­ben dann 100 Ta­ge Zeit, ge­nü­gend Leu­te zu mo­bi­li­sie­ren, die Un­ter­schrif­ten­bö­gen von den Ge­mein­den be­schei­ni­gen zu las­sen und sie bei der Bun­des­kanz­lei ein­zu­rei­chen. Ob das Un­ter­fan­gen ge­lingt, ist schwer vor­her­zu­se­hen. Im Ge­gen­satz zum be­reits lan­cier­ten Re­fe­ren­dum ge­gen das Nach­rich­ten­dienst­ge­setz, das die Macht des Ge­heim­diensts ein­schrän­ken will, dürf­te ein Gross­teil der Be­völ­ke­rung be­für­wor­ten, wenn Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den auf rich­ter­li­chen Be­schluss hin mehr Kom­pe­ten­zen er­hal­ten.

 

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