Strafverfahren gegen Polizei: Auch hier gilt der Anklagegrundsatz

21. Juni 2013

Ei­ni­ge hun­dert Per­so­nen ha­ben am Frei­tag, 4. Ju­li 2008, das leer ste­hen­de Zür­cher Hard­turm-Sta­di­on be­setzt. Sie woll­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben bis zum fol­gen­den Sonn­tag ei­ne Ge­gen­ver­an­stal­tung zur EU­RO 2008 ab­hal­ten. Die Po­li­zei griff mit Gum­mi­schrott ein und ver­haf­te­te zwei Per­so­nen, dar­un­ter den Pres­se­fo­to­gra­fen Klaus Ros­za. Klaus Ros­za reich­te Straf­an­zei­ge ge­gen zwei Mit­glie­der der Stadt­po­li­zei we­gen Frei­heits­be­rau­bung, Nö­ti­gung, Amts­miss­brauch und ein­fa­che Kör­per­ver­let­zung ein, wel­che wie üb­lich mit ei­ner Ge­gen­kla­ge re­agier­ten. Wäh­rend die An­zei­gen der Po­li­zei we­gen Ehr­ver­let­zung, Ge­walt und Dro­hung ge­gen Be­am­te und Hin­de­rung ei­ner Amts­hand­lung längst durch rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lun­gen ab­ge­schlos­sen sind, wur­de das Ver­fah­ren ge­gen die Po­li­zei ein­ge­stellt. Nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­richts vom 7. Ju­ni 2013 muss das Straf­ver­fah­ren wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Auch für die Po­li­zei gilt das An­kla­ge­prin­zip, wo­nach Im Zwei­fel an­zu­kla­gen ist. Das Bun­des­ge­richt äus­sert Zwei­fel dar­an, ob die Fest­nah­me und die da­mit ver­bun­de­ne Ge­walt­an­wen­dung recht­mäs­sig ge­we­sen ist. Von ei­nem kla­rer­wei­se ge­recht­fer­tig­ten Ver­hal­ten der Po­li­zis­ten kön­ne kei­ne Re­de sein. Für das höchs­te Ge­richt steht auf­grund des Be­weis­ma­te­ri­als nicht fest, dass sich Roz­sa der Hin­de­rung ei­ner Amts­hand­lung schul­dig ge­macht hat. Of­fen blei­be zu­dem, ob er da­zu ver­pflich­tet ge­we­sen wä­re, den Po­li­zei­be­fehl zu be­fol­gen, al­so das Fo­to­gra­fie­ren zu un­ter­las­sen und sich vom Ort des Ge­sche­hens zu ent­fer­nen.

 

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